Zugegeben, als ich zum ersten Mal gehört habe, dass Kundalini Yoga ein Yoga für Haushälter ist, konnte ich damit wenig anfangen. Meine Vorstellung war, Du machst also morgens Deine 2,5 Stunden Sadhana (spirituelle Praxis), die uns Yogi Bhajan genau vorgegeben hat und dann gehst Du an die Spülmaschine, den Wäschekorb, den Einkauf usw.? Aber durch Yoga streben wir doch Erleuchtung an, das Einssein mit sich und der Welt und die Erkenntnis der inneren Bestimmung, oder etwa nicht?

Die Antwort zu beidem ist: JA!

Natürlich räumst Du vor oder nach Deiner Yogapraxis die Küche auf, holst Deine Kinder aus Hort oder KiGa ab, fährst zu Arbeit oder setzt Dich abends an den PC, um Deinen Bürokram zu ordnen. Das alles schließt nicht aus, dass Du Deine Bestimmung trotz alltäglicher Pflichten erkennen wirst. Wenn Du Yoga im Alltag praktizierst, stellt sich eben auch eine ganz andere Sicht, ein neues Bewusstsein für alles, was gemacht oder was aber nicht gemacht werden muss ein. Du wirst Situationen, die Dich belasten, dir als Anstrengung und Arbeit erscheinen, gelassener nehmen können, sie aushalten. Das Glück, dass Dir als Seele auf der Durchreise versprochen wurde ist ja trotzdem da, Du hast schnelleren Zugriff darauf, wenn Du Dich trotz stetiger Anforderungen innerlich entspannen kannst, Beobachter wirst und Dich dem alltäglichen Wahnsinn aus äußeren und inneren Ansprüchen standhältst.

Dein einziger Anspruch sollte also sein, Dich gut zu fühlen, einfach aus der Tatsache heraus, dass Du ein Gottgewollter, geliebter Mensch bist. Das ist leicht daher gesagt, ich weiss. Aber mir hilft in Situationen, in denen ich genau diesen Aspekt nicht sehen kann, mich mit meinem Atem zu verbinden. Ich spüre dann genau, dass dieses wunderbare Instrument Atem, das mein Leben symbolisiert hier in der Küche vor einem zerbrochenen Joghurt, der sich über den Holzboden verteilt,  während mein kleiner Sohn auf dem Klo gerne abgeputzt werden will, meine Rettung ist, mich durch die Anspannung trägt, mich zentriert. Ich behalte also die Nerven. Wenn Du es schaffst, den langen tiefen Atem als eine alltägliche Routine zu etablieren und vergleichbare Situationen mit dessen Hilfe meisterst, kommst Du Deinem Glück schon ziemlich nah. Und genau das ist ein kleiner Erfolg, der Dich auch zu großen Erfolgen führen wird.

Beim Yoga im Alltag geht es nicht ausschließlich darum, sich seines Seins und des damit verbundenen Glücks permanent bewusst zu machen. Das ist praktisch unmöglich. Es geht darum, die richtigen Entscheidungen für sich zu treffen. Welchen Punkt auf der To-Do Liste kann ich streichen, damit ich nicht in Zeitnot gerate? Ich würde so gerne zu diesem einen Workshop geben, aber ich weiss, dass das Wochenende schon ziemlich verplant ist und ich den Workshop dann wahrscheinlich nicht genießen könnte. Was passiert, wenn ich meine Arbeit erst um 8:30 Uhr statt um 8 Uhr beginne und vorher genüsslich über den Wochenmarkt schlendere? Gar nicht? Ein böser Blick des Kollegen? Das halte ich aus.

Während ich diesen Blogeintrag schreibe sitze ich mit Gliederschmerzen im Bett und habe längst aufgegeben mich über diese Zwangspause zu ärgern oder mich zu fragen, ob ich als fleißige Yogini denn überhaupt krank werden darf. Ich nutze die Zeit, diesen Artikel zu schreiben und fühle mich damit ganz prima. Das Beitragsbild zeigt mich in der Küche bei meiner Tätigkeit als Haushälterin 😉

Sat Nam